Wer eine Stickdatei in einer Betrachtungssoftware öffnet, merkt: „Eine Fläche füllen“ passiert nicht in einem Durchgang. Dieses Glossar erklärt die drei Stichfamilien, die jeder Sticker kennen sollte — Unterlage, Satin, Tatami — und wie man sie in einer gut gebauten Datei wiedererkennt.
Die Unterlage: das Fundament des Motivs
Die Unterlage ist ein spärliches Stichnetz, das VOR der sichtbaren Füllung genäht wird. Ihre Aufgabe: den Stoff am Vlies verankern, die Form polstern und den Stoffflor (Fleece, Samt) niederdrücken, damit die Oberschicht klar bleibt. Ohne Unterlage sinken Satins zusammen, Füllungen werfen Falten und Kanten laufen aus.
- Center-run: eine dezente Mittellinie, für schmale Säulen.
- Zickzack: zwei leicht versetzte Durchgänge, für mittlere Satins.
- Tatami-Unterlage: grobes Netz für große Flächen vor der Endfüllung.
Der Satinstich (Säule): klare Kanten
Der Satinstich — eigentlich ein sehr enger Zickzack — ist das Rückgrat von Schrift und Konturen. Seine Breite (typisch 2–6 mm) entscheidet über alles: zu schmal, entartet der Satin zum Laufstich; zu breit, legen sich die Stiche flach und verhaken. Übliche Dichte: 0,3 bis 0,4 mm zwischen den Nadelstichen, abgestimmt auf Garn und Stoff.
Das Tatami (Füllung): Flächen decken
Für Flächen breiter als 6 mm dienen Reihen paralleler Stiche — die Füllung oder das Tatami — geneigt (oft 45° oder 125°), um das Licht zu fangen. Alternierende, leicht versetzte Reihen verhindern den Rinneneffekt. Auf sehr großen Flächen stabilisiert eine Kreuzschraffur (gedeckte Doppellage) die Füllung und beugt dem Durchhängen vor.
Wie man eine gut gebaute Datei erkennt
- Jede Zone hat eine Unterlage, passend zu ihrer Breite und zum Stoff.
- Die Füllwinkel wechseln zwischen angrenzenden Zonen, um Grenzen sichtbar zu machen.
- Löcher (das Auge eines „e“, Forminneres) sind tatsächlich in die Geometrie geschnitten, nicht „darübergemalt“.
- Die Dichte ist homogen: keine spärlichen Zonen, keine Stichklumpen.
- Die Zonenreihenfolge geht von hinten nach vorn und gruppiert die Farben.
Brode wendet all diese Regeln in seinen Konvertierungen automatisch an: systematische Unterlage, Satin auf schmalen Zonen, geneigtes Tatami mit optionaler Kreuzschraffur auf großen Flächen und echte geometrische Auflösung der Löcher. Die Garnerung lässt sich vor dem Maschinenlauf direkt im Browser voranschauen — für den kompletten Ablauf siehe PNG in DST konvertieren.

